Innovation im Unternehmen

Prozesse. Veränderung. Innovation.

Innovationsfähigkeit

Was heißt das?

Innovation wörtlich Erneuerung oder Neuerung, wird heute meist als Begriff für neue Ideen und Erfindungen verwendet, die als Produkte oder Dienstleistungen ihren Weg in den Markt finden.

Im Gespräch mit dem Digital-Unternehmer und Autor Pierre Haarfeld haben wir das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und inspirierende Antworten auf unsere Fragen bekommen.

Pierre Haarfeld engagiert sich für Geschäftsmodell-Innovationen in der Home & Living Branche und ist ein echter Branchenexperte. Als Berater und Geschäftsführer der nuucon GmbH, einem digitalen B2B-Marktplatz für Interior Designer, bringt er nicht nur Marken und Projekt-Kunden zusammen, sondern verbindet in seiner Arbeit das Beste aus der New- und Old-Economy.

Innovation ist für mich nur das, was radikal ist.

Pierre Haarfeld

König + Neurath: Wie definieren Sie Innovation persönlich und welche Rolle spielt Innovation in Ihrem Leben?

Pierre Haarfeld: Für mich geht es bei Innovationen immer um Themen, die einen Neuheitscharakter haben – das können Produkte, Gedanken und auch Verhalten sein. Die Frage lautet: Wie neu ist etwas? Wie weit ist es vom Bestehenden entfernt? Ich unterscheide hier gerne „Elektrifizierung versus Digitalisierung“. Beim ersten geht es nur um die Veränderung bestehender Abläufe, während es beim zweiten um komplett neue Geschäftsmodelle geht. Für mich ist Innovation im beruflichen Kontext wesentlich mehr als Modifikation oder Variation – etwas Radikales, komplett anderes als das Bewährte. Im privaten Kontext kann auch inkrementelle Innovation radikal wahrgenommen werden. Beispiele wie Netflix, Amazon Prime oder neue Mobilitätskonzepte wie Car2go oder CleverShuttle sind Ideen, die nicht revolutionär neu sind, aber den Alltag komplett verändern. Sie zeigen, dass es möglich ist, Innovationen in etablierten Strukturen zu ermöglichen.

K+N: Welches sind für Sie die aktuell fünf innovativsten Firmen?

P. H.: Ich zähle Netflix, Casper Matratzen, Slack, das Kommunikationstool für Unternehmen, Wayfair, der weltweit größte Möbelversender, und Tesla dazu.

K+N: Hat sich das allgemeine Verständnis von Innovation in den letzten fünf Jahren verändert? Inwiefern?

P.H.: Ja, absolut. Innovation ist schneller geworden und passiert in viel mehr Bereichen als früher. Sie geschieht in sehr kurzen Zyklen. Zum Beispiel hat Netflix innerhalb von wenigen Jahren das lineare Fernsehen für eine Generation komplett ersetzt. Früher hat es 30 Jahre gedauert, bis man als etabliertes Unternehmen galt. Am Beispiel der Matratzenindustrie sehen wir: Heute haben die so genannten Mattress in a Box Versender innerhalb von drei Jahren einen Marktanteil von 25 % erreicht. Und schon wird ein Traditionsunternehmen wie Dunlopillo von einem Start-up gekauft.

K+N: Wie würden Sie traditionell geprägten Unternehmen empfehlen, Veränderungsprozesse zu initiieren hin zu mehr Innovationsbereitschaft?

P.H.: Da habe ich mehrere Perspektiven. Die erste ist die, mit der wir selbst die besten Erfahrungen gemacht haben: Innovationen lassen sich am besten auf der Grünen Wiese, also außerhalb meiner bestehenden Strukturen mit neuen Leuten und neuen Gedanken, aufbauen. Die Frage sollte nicht sein „Wie kann ich etwas maximal in meine bestehenden Prozesse integrieren?“ sondern „Wie kann ich etwas maximal von meinen bestehenden Prozessen entfernt halten?“ Ein gutes Beispiel hierfür ist About You, was als Teil der Otto Group gegründet, aber völlig unabhängig agieren konnte.

Auf der anderen Seite ist die Frage, wie ich ein etabliertes Unternehmen hin zu mehr Innovation bewege. Da empfehle ich immer, mit einem Mindset-Workshop anzufangen, um zu entdecken: Was sind meine Gedankenmuster, in denen ich feststecke? Wir alle denken linear. Und das führt dazu, dass wir einen blinden Fleck haben, was unser potenzielles Wettbewerbsumfeld angeht. Wer von außen auf den Markt kommt, kann das oft erst sichtbar machen. Die Veränderung im Mindset ist wichtig, dann kann man gemeinsam entscheiden, ob man etwas auf der grünen Wiese aufbaut oder eine inkrementelle Innovation angeht.

K+N: Sind für so eine Entwicklung auch branchenfremde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig?

P.H.: Definitiv. Ich glaube, dass sie mitunter sogar noch wichtiger sind als die Branchenkenner. Es ist von zentraler Bedeutung, fremde, neue Gedanken zuzulassen. Das Thema Diversity spielt hier eine große Rolle. In unserem Unternehmen bevorzugen wir beim Recruiting oft Quereinsteiger, die das Umfeld enorm bereichern können

K+N: Ist Innovation eine Frage des Alters? Was können die Generationen gegenseitig voneinander lernen, um gemeinsam in Unternehmen innovativ zu arbeiten?

P.H.: Auf gar keinen Fall ist Innovation eine Frage des Alters. Sie ist immer nur eine Frage der Einstellung. Das gilt im privaten wie im Unternehmenskontext. Die zentrale Frage ist die, wie man optimal voneinander lernen kann. Wie kann man gemeinsam innovativ arbeiten? Wir haben Start-ups, die die etablierte Welt nicht verstehen. Auf der anderen Seite gibt es wiederum etablierte Unternehmen, die sich das neue Denken nicht erschließen können. Der Erfolg in der Zusammenarbeit über Generationen hinweg ist die Vernetzung, den Austausch zu fördern, Brücken zu bauen. Das ist das A und O für Innovation – privat und im Unternehmen.

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